Suite Dreams 30.Oktober 2026

The Peninsula, London

Von Rosaria Messina

London hat Hotels, die berühmt sind, weil sie alt sind. Hotels, die schon Könige, Schauspielerinnen und Schriftsteller beherbergt haben – und Menschen, die sich für mindestens eines davon hielten. Und dann gibt es ›The Peninsula London‹. Das ist noch ziemlich jung. So jung, dass noch keine Generation von Familien davon erzählen kann, wie schon der Großvater in Zimmer 304 seine große Liebe kennenlernte. Dafür hat das Haus etwas anderes: den unbedingten Ehrgeiz, ein Klassiker zu sein. Und tatsächlich: erst 2023 mitten im Herzen von Belgravia eröffnet, hat es ein Flair, als sei es schon lange da.

Es befindet sich an einem der nobelsten Punkte der Stadt, zwischen Hyde Park und Belgravia, am 1 Grosvenor Place – eine jener Londoner Adressen, bei denen selbst die Hausnummer nach Geld klingt. Nur der trubelige Hyde Park Corner erinnert daran, dass auch die teuerste Hoteladresse dem Londoner Verkehr nicht entkommt.

Und doch ist die Ankunft bemerkenswert diskret: Es gibt zwar auch einen Eingang direkt an der lauten Straße, doch die eigentliche Auffahrt führt zu einem begrünten Innenhof auf der anderen Seite. Man fährt hinein, steigt aus, und London scheint plötzlich einen Gang herunterzuschalten.

Da unser Zimmer bei der Ankunft noch nicht bereit ist, nehmen wir in der Lobby Platz, wo auch auch das Frühstück serviert wird. Hohe Decken, Kronleuchter, Kunstwerke und eine großzügige Raumdramaturgie schaffen genau jene Art von lebendiger Grandhotel-Atmosphäre, die man nicht allzu oft erlebt.

Im Zentrum steht hier das alte britische Ritual des Afternoon Tea, mit Sandwiches, Patisserie und einem guten Glas. Das Schöne daran ist die Mischung des Publikums. Hotelgäste sitzen neben Londonern, Geschäftsleuten und Besuchern, die vielleicht eigens für den Tee gekommen sind und offensichtlich beschlossen haben, dass ein Donnerstagnachmittag ein völlig ausreichender Grund für Champagner ist. Die Lobby erfüllt damit eine Funktion, die viele moderne Luxushotels verloren haben: Sie ist ein öffentlicher Raum des Hotels. Man kann hier verweilen, ohne etwas erledigen zu müssen. Das klingt banal, ist aber auch eine Form von Luxus.

Zu den Zimmern: Bereits das Standardzimmer ist eigentlich eine kleine Provokation. Nicht weil es extravagant wäre, sondern weil es so groß ist. Wo andere Londoner Luxushotels bei 25 oder 30 Quadratmetern bereits von großzügigen Dimensionen sprechen, beginnt The Peninsula bei rund 50 Quadratmetern. Daraus entsteht ein privater Rückzugsort, der sich fast schon wie eine gut ausgestattete Stadtwohnung anfühlt.

Innenarchitekt Peter Marino hat für die Interieurs einen Ton gefunden, der bemerkenswert weit von jener internationalen Luxus-Hotellerie entfernt ist, die inzwischen überall gleich aussieht. Kein Beige-Brei, keine austauschbare Designerlounge, kein Zimmer, das ebenso gut in Dubai, Singapur oder Frankfurt sein könnte. Stattdessen: britische Wohnlichkeit, Mahagoni, fein gemusterte Stoffe, Kunst und warme Materialien. Das Ergebnis ist klassisch, aber nicht altmodisch.

Im Bild: Der Wohnbereich einer Park Suite

Und zugegeben: wenn wir so charmant empfangen werden, ist ein Platz im Herzen sowieso gesichert. Das Tolle daran ist aber auch, dass dies keine Sonderbehandlung ist, sondern eine Aufmerksamkeit, die unserer Recherche nach jedem Gast zuteil wird – Negroni inklusive. Von einem Haus dieses Anspruchs darf man es zwar nicht anders erwarten. Funktionieren tut es trotzdem.

Dass die Betten so traumhaft groß und komfortabel sind, wie man es sich auch zuhause wünschen würde, muss eigentlich nicht betont werden. Bemerkenswert gelungen ist allerdings die Verbindung von Technik und Handwerk. Licht, Vorhänge, Temperatur und Unterhaltung lassen sich über das hauseigene System sogar vom Bett aus steuern. Wer morgens zu faul ist, den Vorhang selbst zu öffnen, kann das erledigen lassen, ohne sich auch nur halb aufzurichten. Es sind diese kleinen Erleichterungen, die zumindest uns am Ende wichtiger sind, als der nächste spektakuläre Kronleuchter.

Noch wichtiger ist das Badezimmer. Honigfarbener Onyx, großzügige Dimensionen, maßgefertigte Armaturen und Liebe zum Detail verwandeln schnöde Körperpflege in eine ziemlich ernstzunehmende Angelegenheit.

Hinzu kommen die Ankleidebereiche mit Mahagoni und der Peninsula Valet Box – eine kleine, eigens entwickelte Vorrichtung, die Kleidung für Reinigung und Pflege entgegennimmt, ohne dass Personal das Zimmer betreten muss.

Das klingt alles nach einer langen Liste von Annehmlichkeiten. Im Zimmer selbst fällt es kaum auf. Alles fügt sich zu einem bemerkenswert ruhigen Ganzen. Man sitzt am Fenster, schaut hinaus auf London und ertappt sich nach einer Weile bei dem Gedanken, dass man eigentlich gar keinen Grund hätte, das Haus zu verlassen …

… Was uns zur Kulinarik des Hauses führt: Es gibt gleich mehrere gastronomische Antworten auf die Frage, was man am Abend machen könnte. Das zweifach besternte ›Brooklands by Claude Bosi‹ ist die ambitionierteste davon. Das Restaurant im achten Stock verbindet britische Küche mit zwei großen britischen Leidenschaften: Motorsport und Luftfahrt. Der Name erinnert an die historische Rennstrecke Brooklands, das Interieur spielt mit Flugzeugtechnik und britischem Ingenieursgeist.

Das klingt vielleicht nach einer etwas bemühten Konzeptidee, doch in der Realität ist es ziemlich spektakulär. Metall, Holz, technische Details und die Aussicht über London ergeben eine sehr besondere Atmosphäre. Unseren vollständigen Bericht über das Restaurant gibt es hier zu lesen.

Direkt gegenüber liegt die Brooklands Bar. Hier wird die Geschichte noch einmal etwas lockerer erzählt: Die Decke erinnert an die Tragflächen eines historischen Bombers, die Lampe an die Rotorblätter eines Rolls-Royce-Fugzeugtriebwerks. Der Blick über die Stadt erledigt den Rest. Ein abendlicher Drink am Fenster, und das funkelnde London wirkt plötzlich wie eine surreale Kulisse.

Vor allem aber ist hier immer erstaunlich viel los. Die Bar gehört keineswegs den Hotelgästen allein. Londoner, Geschäftsleute, Besucher und Hotelgäste mischen sich an den Tischen und an der Bar, die Stimmung ist lebhaft und ausgesprochen gut gelaunt. Man kommt auf einen Drink und bleibt gern noch auf einen zweiten. Die Cocktails sind hervorragend – so präzise und elegant, die man es wirklich nur in den besten Hotelbars erlebt. London bleibt allerdings London: Wer die Karte ausgiebig testet, wird mit der Rechnung daran erinnert, dass auch gute Laune hier ihren Preis hat.

›Canton Blue‹, etwas versteckt im Erdgeschoss gelegen, ist dann nochmal etwas ganz anders. Das kantonesische Restaurant nimmt die historische Verbindung zwischen Großbritannien und China zum Ausgangspunkt und verweist auf die Keying, ein chinesisches Handelsschiff, das im 19. Jahrhundert zwischen Asien und Europa unterwegs war.

Das fensterlose Interieur hat diese ganz eigene, für chinesische Restaurants so typische Form von Opulenz – doch je mehr liebevolle Gestaltungsdeatils man entdeckt, desto schöner wird es. Wir kehren für einen Lunch ein – und erleben eines der besren kantonesischen Essen seit langen. Insbesondere die handwerklich exzellentem aromatisch ausgklügelten Dim Sum sind bemerkenswert.

Für den spontanen Snack gibt es noch das ›Little Blue‹, eine kleine, lockere Nudelbar, die wie diesmal leider nicht ausprobieren.

Und weil man nach dem Essen etwas Bewegung und Ruhe braucht, haben wir nicht wenig Zeit am Pool verbracht: Mit seinen 25 Metern Länge bildet er das Herzstück das Spa-Bereichs im Untergeschoss. Die hohe Decke, die klare Formgebung und die meditative Ruhe geben dem Raum beinahe sakrale Züge.

Jenseits des Pools finden sich Behandlungsräume, Sauna, Dampfbad und Bereiche zum Entspannen. Das Spa folgt dabei derselben gestalterischen Idee wie das übrige Hotel: hochwertige Materialien, warme Töne und viel Liebe zum Detail, ohne die Räume mit Dekoration zu überladen.

Interessant ist vor allem der Kontrast zum restlichen Haus. Oben: Butler, Bentley, Champagner und gesellschaftliche Rituale. Unten: Bademantel, gedämpftes Licht und Tiefenenstpannung. Man schwimmt ein paar Bahnen, legt sich anschließend zurück und verliert sich in Gedanken – was auch deshalb gut gelingt, weil am Pool meistens wenig los ist … mitten in einer der geschäftigsten Metropolen Europas.

Was bleibt zu sagen? Das Peninsula London ist ein ziemlich ambitionierter Versuch, dem Begriff Grandhotel neues Leben einzuhauchen. Die Architektur will bleiben. Die Materialien sollen altern dürfen. Die Zimmer sind so eingerichtet, dass sie auch in zehn Jahren noch plausibel wirken. Selbst die Restaurants haben etwas Zeitloses. Das passt zu Peninsula. Die Marke hat ihre Wurzeln in einer Hotellerie, in der Service eine Form von Handwerk war. Man wusste, welcher Gast welchen Tee trinkt, welcher Koffer wohin gehört und wann man besser nicht stört. The Peninsula hat viel Geld, viel Platz und viel Kunst – ohne es ständig auszustellen. Die Opulenz sitzt in den Details.

Man könnte natürlich sagem, dass dieses Hotel von einer solchen Perfektion ist, dass man sich bisweilen nach einem kleinen Kratzer sehnt. Nach einem Sessel, der schon bessere Abende gesehen hat, nach Räumen mit Geschichten, die nicht erst noch geschrieben werden müssen. Die älteren Londoner Grandhotels besitzen diese Patina. Hier muss sie wachsen. Am Ende ist aber auch das nur eine Frage der Zeit – und wem möchte man schon seine Jugend zum Vorwurf machen?

Und dann ist da London selbst. Die Lage an Hyde Park gehört zum Besten, was die Stadt zu bieten hat. Buckingham Palace, Mayfair und Knightsbridge liegen in Laufweite. Nach einem Nachmittag in der Stadt kann man zurückkehren, die Tür hinter sich schließen und wirklich abschalten. 

Natürlich ist das alles ziemlich teuer. Natürlich ist manches sehr perfekt. Und natürlich muss man ein Faible für Grandhotel-Glamour haben, um sich hier wirklich wohlzufühlen. Aber vielleicht ist genau das die Stärke des Hauses. Das Peninsula versucht nicht, cool zu sein. Es versucht, dauerhaft zu sein. Die Legenden kommen von selbst dazu. Und vielleicht sitzen wir irgendwann wieder oben in der Brooklands Bar, und jemand erzählt uns von seinem ersten Abend, damals, hier im Peninsula.

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Hinweis

Der Aufenthalt im »The Peninsula« war eine Medieneinladung. Details zum Umgang mit Einladungen und anderen Pressekonditionen findet Ihr hier.

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