Suite Dreams  7.Mai 2016

Suite Dreams: Le Bristol, Paris

In keiner europäischen Stadt tut sich in Sachen Luxushotellerie so viel, wie in Paris. In den letzten Jahren eröffneten hier Märchenpaläste reihenweise – vom Shangri-La bis zum Peninsula stießen vor allem asiatische Ketten nach Frankreich vor. Traditionshäuser wie das Plaza Athenée, das Le Crillon und das Ritz zogen mit aufwändigen, teils mehrjährigen Sanierungen nach.

In diesem Wettstreit um den dicksten Pomp steht ein Haus wie ein Fels in der Brandung: Das Le Bristol. Es gehört zur 'Oetker Collection', einer hochfeinen "Privatsammlung" der Oetker-Familie, die inzwischen neun Luxushotels in der halben Welt umfasst. Eröffnungen in New York und Sao Paulo stehen demnächst an, und ein Ende ist nicht in Sicht. In Paris waren wir 2011 erstmals zu Gast – und sehen stilvollen Luxus seither mit anderen Augen. Dass mit dem Epicure gleich noch ein exzellentes, dreifach besterntes Restaurant im Haus ist, macht die Sache richtig rund (das Zweitrestaurant 114 Faubourg hat ebenfalls einen Stern).

Schon während der Fahrt zücken wir eine gut gekühlte Flasche aus dem Gepäck, füllen die Sektgläser aus dem Bordbistro und stoßen voller Vorfreude auf den neuerlichen Besuch an – auch diese Möglichkeit zum entspannten Trinken macht die Anreise mit dem Zug so angenehm, von der enorm kurzen Fahrtzeit Frankfurt-Paris (3:50h!) ganz zu schweigen.

Das Le Bristol liegt in der schicken Rue du Faubourg Saint-Honoré, unweit des Champs Elysées und des Louvre. Aber trotz dieser mehr als mondänen Lage pflegt man ein elegantes Understatement. Vor wenigen Jahren gab es auch hier umfangreiche Renovierungen, aber alles mit Zurückhaltung. Obwohl das Haus als eines von nur acht Hotels in Paris den Titel "Palast" tragen darf, gilt: Kein Hauch von protzendem Neureichtum oder Bling-Bling. Dies ist nicht zuletzt für jene Gäste angenehm (und nimmt Berührungsängste), die nicht alltäglich in solchen Hotels wohnen. Also auch für Leute wie uns.

Das Gebäude ist zwar wunderschön, wirkt aber vergleichsweise unscheinbar, der Empfangsbereich ist überschaubar. Dennoch ist die Noblesse des Hauses, dessen Historie bis ins 18. Jahrhundert zurückreicht, sofort zu spüren. Speziell auch mit Blick auf die neuen, weitaus protziger sich gebenden Pariser Luxushotels und deren Klientel fällt uns der alte Vergleich zwischen Rolls Royce und Bentley ein: den Einen fährt man um zu zeigen, dass man Geld hat, den Anderen fährt man, wenn man kein Geld mehr braucht. Wer im Le Bristol wohnt, so unser Eindruck auch beim neuerlichen Besuch, muss nichts mehr beweisen. Entsprechend zählen denn auch Superstars wie Leonardo Di Caprio zu den Gästen.

Herzstück des Hotels sind die Signature Suites, von denen uns die Imperial Suite und mehr noch die beiden Royale Suites (im Bild) am schönsten gefallen. Mit 320 bzw. 300 Quadratmetern bieten sie mehr Wohnfläche, als so manches Einfamilienhaus. Allein die Hauptschlafzimmer haben je 30 qm, das größere der 2 Imperial-Bäder noch immer stolze 23 – so viel wie unser heimisches Wohnzimmer. Im Esszimmer finden bis zu 12 Personen reichlich Platz (Roomservice vom Epicure!) und der edle Parkettboden eignet sich nach dem Dinner sicher noch für eine lässige Tanzeinlage.

Auch an der übrigen Ausstattung wurde natürlich nicht gespart: Maja Oetker und Star-Architekt Pierre-Yves Rochon, der unter anderem die 'Ateliers Joel Robuchon' gestaltet hat, arbeiteten hier mit Möbeln des renommierten Pariser Hauses Taillardat und den hochfeinen Stoffen von Manual Canova und Veraseta, weitere Lieferanten sind Mulberry, Meissen, Rubelli and J Baker – ein 'who is who' edelster Manufakturen (was man bei den aufgerufenen Nächtigungspreisen allerdings auch erwarten darf).

Auf den ersten Blick wird klar: Alles in diesen Räumen ist auf gediegene Eleganz in klassischer französischer Manier angelegt. An den Wänden hängt Originalkunst (in der Imperial Suite ein Gemälde des Malers Jean-Baptiste Pater aus dem 18. Jahrhundert) und wenngleich Teile des Mobiliars der Royale Suite aus den Zeiten von Louis XV und Louis XVI stammen, wirkt hier nichts altbacken oder gar schwer. Trotz der erhabenen Aura strahlt speziell die Royal Suite dank der hellen, frischen Farben und der zurückhaltenden Möblierung eine schöne Luftigkeit aus.  

Okay, zugegeben, diese Terrasse gehört nochmal zu einer anderen Suite, nämlich der Penthouse Suite. Aber sie sieht so unglaublich malerisch aus, dass wir sie einfach reinnehmen mussten. Nein: mehr noch sieht sie filmisch aus. "Über den Dächern von Paris" von René Clair aus dem Jahr 1930 kommt uns in den Sinn, auch wenn dort das Mansardenzimmer eines mittellosen Straßensängers gemeint ist.

So oder so: Das Le Bristol steht für uns für eine quintessenzielle Form der Pariser Lebensart- und Lust. Wundert es da, dass Woody Allen das Hotel 2011 –im Jahr unseres Erstbesuchs!– als Kulisse für sein romantisch-nostalgisches Meisterwerk "Midnight in Paris" nutzte? Nächstes Mal schauen wir uns sein Zimmer an...

Eckdaten

Royal Suites / Imperial Suite
Designer: Maja Oetker und Pierre-Yves Rochon
Größe: 300 qm (2x150) / 320 qm
Max. Belegung: 6 (2x3) / 4
Badezimmer: je 1 / 1-3
Essbereich: jeweils bis zu 12 Personen
Preis pro Nacht: 10.000 / 14.500 €

Anfragen über das Le Bristol unter +33 (1) 53 43 43 00

Karte

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