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Die besten Food-Fotografen: Florian Bolk


Der Fotograf Florian Bolk

Der 1967 geborene Berliner ließ sich bis 1989 zum Fotodesigner am Lette-Verein Berlin ausbilden, um sich dann als freier Assistent bei Mode-, Portrait- und Kunstfotografen zu verdienen. Es folgten erste Arbeiten als Architekturfotograf und 1990 der Umzug als freier Fotograf nach Spanien. 1995 wurde Bolk u.a. von "Der Feinschmecker" engagiert und machte nebenbei Ausstellungen in der Galerie "Utopia Parkway" in Madrid. Seit 2008 ist er Herausgeber des Magazins "Le Schicken" und fotografiert Kochbücher für Chefs wie Tim Raue, Thomas Kammeier, Ralf Zacherl, Danjel Kresovic oder Jean-Christian Jury. Jüngst war er Co-Autor und Fotograf des Buches "Die Stadt kocht – Das Berlin-Kochbuch".

Koch: Dirk Biedermann, Microfood Nr. 4, Wokgemüse, Oktopus (Le Schicken 4)
Bilder zum Vergrößern anklicken – alle Bilder © Florian Bolk

Sternefresser: Wie kamst Du zur Fotografie?

Florian Bolk: In der Schule habe ich angefangen, Schwarzweiß-Bilder an Mitschüler zu verkaufen – als eine Art Foto-Dealer.

 

Sf: Nikon oder Canon?

F.B.: Ich habe mit Nikon begonnen, bin dann aber zu Canon gewechselt. Die Marke ist egal, das Motiv zählt.

 

Sf: Wie würdest Du Deinen Stil beschreiben?

F.B.: Ich versuche eine zeitgemäße Bildsprache zu entwickeln, die eine eigene Handschrift hat. Einfluss auf meine Sicht hatte sicherlich die lange Arbeit mit Peter Steiner, dem Artdirector des Feinschmeckers aber auch mit Architektur-Verlagen und Berliner Fanzinen. Darüber hinaus waren die Comics von DC, die Arbeiten von László Moholy-Nagy oder Neville Brody, das 'Face Magazin' oder das 'Interview Magazine' prägend.

 

Koch: Martina Kömpel, Lammrücken mit Ratatouille Gemüse und Buttersauce (Le Schicken 7)

Sf: Wie ist Dein Faible zum Thema Essen zustande gekommen?

F.B.: Meine Großmutter betreibt eine Besenwirtschaft in Schwaben und somit habe ich einen gastronomischen Hintergrund mit Kinderarbeits-Einschlag.

1997 wurde die Redaktion des Feinschmeckers neustrukturiert, ich kam dazu und bekam Kontakt zur Haut Cuisine.

 

Sf: Welchen Koch findest Du in Bezug auf das Anrichten spannend? Was gefällt Dir beim Anrichten gar nicht?

F.B.: Ich glaube, das sehen Fotografen alle gleich: Suppe ist immer eine Herausforderung, es kostet mehr Zeit das Gericht zu inszenieren. Köche, die eine Linie mitbringen sind dankbarer, weil die Arbeit schneller geht. Tim Raue liegt mir vermutlich am besten, da er das Essen oftmals fotografisch sieht.

 

Sf: Welcher Koch würde Deinem Stil im kulinarischen Sinne perfekt entsprechen?

F.B.: Die Frage ist aus meiner Sicht nicht mit einem Namen zu beantworten. Gerade die Vielfalt ist das Erfüllende. Ich fühle mich im Berliner Biotop sehr wohl: Marco Müller, Tim Raue, Wolfgang Müller, Stefan Hartmann, Michael Kempf oder auch Peter Frühsammer. Von außerhalb fallen mir Thomas Kellermann, Peter-Maria Schnurr und Thomas Bühner ein – allesamt toll. Und dabei habe ich bestimmt noch einige vergessen...

 

Sf: Welches ist in Deinen Augen das Kochbuch mit den weltweit besten Food-Fotos?

F.B.: Ferran Adriàs Bücher sind super und auch die Bücher des Mugaritz, des Noma oder dem Quay gefallen mir sehr.

 

Koch: Tim Raue, Dekomposition 3. Kaisergranat, Shiso, Rosenblütensud (Le Schicken 6)

Sf: Was bedeutet der Begriff "Foodporn" für Dich und was findest Du faszinierend daran: Motiv, Speise an sich, Präsentation?

F.B.: "Foodporn" ist für mich ein soziologisch unästhetischer Begriff und wirft die Frage auf, wie viel Retusche am Teller erlaubt ist. Welche Art des optischen Anreizes soll inszeniert werden, um das Gericht zu „pimpen“. Das Unterwerfen unter eine Regel der Verschönerung ist abhängig von a) dem finanziellen Druck des Auftraggebers und b) dem sozialen Druck der Gruppe der Bilderkonsumenten. Es gibt hierbei keine klaren Vorgaben. All dies unterliegt bei mir der Tagesform, wobei eine ästhetische Überhöhung Grenzen kennt. Aus meiner Sicht geht der Eingriff oft mit einer Verkünstelung einher, die nicht appetitlich ist.

 

Sf: Kannst Du eine solche visuelle Götterspeise nennen?

F.B.: Wenn ich es positiv begreife, ist für mich nicht das einzelne Gericht wichtig, sondern die Art, in der es produziert wurde. Und dies ist von Foto zu Foto verschieden.

 

Sf: Stell Dir vor, Du müsstest abends in einem Restaurant Gerichte am Tisch fotografieren. Was ist die Waffe Deiner Wahl?

F.B.: Ich benutze gerne eine Canon 5D Mark III mit Blitz und improvisiere dann.

 

Koch: Michael Hoffmann. Paprikapulver und Kohl (Le Schicken 6)

Sf: Kannst Du unseren Lesern einen Tipp für bessere Food-Bilder in einer solchen Situation geben?

F.B.: Immer wieder die Bilder ansehen und dann gegebenenfalls Korrekturen vornehmen. Es gibt keine Regeln, außer der Beharrlichkeit.

 

Sf: Welche Techniken nutzt Du generell, um Food optimal in Szene zu setzen?

F.B.: Ich versuche oftmals einen Tageslicht-Charakter zu simulieren.

 

Sf: Ferran Adria antwortete auf die Frage, was ihn noch reizen würde: Heißes Eis. Gibt es eine fotografische Idee oder ein Motiv, das Du bisher noch nicht umsetzen konntest?

F.B.: Ich möchte Köche gerne noch aufwändiger inszenieren, weiß aktuell allerdings noch nicht, wie dies vonstatten gehen soll. Vielleicht gelingt es mir im Laufe des Jahres.

 

Sf: Welchen Könner Deiner Zunft bewunderst Du persönlich?

F.B.: Ich bin Fan von sehr vielen Fotografen. Ich mag z.B. die Arbeit der Fotografen Herbert Lehmann, Jan C. Brettschneider und Michael Wissing.

 

  • Foodpics von Fotograf Florian Bolk
Die Stadt kocht von Florian Bolk

Die Stadt kocht

Verlagstext: "Die Stadt kocht - nehmen sie die kulinarische Spur auf! Halten Sie die Nase in den Wind und schnuppern Sie den Duft der verschiedenen Kulturen und ihrer Küche. Nehmen Sie den Geruch auf von einer Stadt, die zwischen Improvisation und Wachstum schwankt. Und machen Sie die Augen auf – entdecken Sie die sinnliche Vielschichtigkeit der Hauptstadtküche. Dieses Buch ist auch eine Momentaufnahme Berlins, der Stadt, in der es die aufregendste und innovativste Küche gibt."

Preis: EUR 19,50

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